144 MHz Sporadic-E



Alles was man über Sporadic-E wissen sollte

Was ist Sporadic-E?

Unter Sporadic-E (Es) versteht man des ebenso kurzfristige wie kurzzeitige Auftreten von Zonen in der E-Schicht der Atmosphäre, die eine solch hohe Ionisation aufweisen, dass an ihnen sogar Funkwellen im Frequenzbereich von bis zu 220 MHz noch reflektiert werden. Theoretisch können dann durch eine einzelne Reflextion Entfernungen von bis zu 2.500 km überbrückt werden. Meist liegen die im 2m Band gearbeiteten Stationen zwischen 1.200km und 2.000km entfernt. Gleichwohl sind sogar Distanzen von 3.800km schon via Es überbückt worden.

Die Feldstärken liegen aufgrund der fast verlustfreien Reflexionen und der vernachlässigbar geringen Streckendämpfung fast immer so hoch, dass "59" praktisch der Standard-Rapport bei Es-QSOs ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass für eine Funkverbindung Stationsausrüstungen von 10 Watt Ausgangsleistung an einer 10-Element-Yagi völlig ausreichend sind. Sehr oft sogar sind schon Verbindungen mit 3 Watt an einer HB9CV-Antenne gelungen. Deshalb stellt Sporadic-E die beste Möglichkeit dar, dass auch DO-Stationen 2.000km-QSOs machen zu können, und das mit nur 10 Watt EIRP.

Die Ursachen für Es sind ebenso wie die Entstehungsgeschichte auch heute noch nicht geklärt. Ein Eingehen darauf würde an dieser Stelle zu weit führen, wir wollen uns im folgenden auf die praktische Nutzung der Ausbreitung konzentrieren. Zu den Hintergründen nur so viel: Man weiß lediglich, dass die räumliche Ausdehnung einer solchen Reflexionszone in der Horizontalen um die 10km und in der Vertikalen um die 5km beträgt. Die Elektronendichte kann in der Spitze Werte von 5x10hoch11 Elektronen pro Kubikzentimeter erreichen. Zur starken Ionisierung dieser Es-Wolken tragen insbesondere Eisen- und Magnesiumionen bei, die möglicherweise durch Meteoriten injiziert werden. Letztere Vermutung resultiert unter anderem daraus, dass Sporadic-E fast ausschließlich im Sommer auftritt, mit ausgeprägten Maxima in den Monaten Juni und Juli. Zur gleichen Zeit werden regelmäßig eine hohe Zahl von sporadischen Meteoriten und auch ergiebige Meteoritenschauer gezählt.

Jahreszeitliche Häufigkeitsverteilung

Wie zuvor erwähnt, tritt 144MHz-Es vor allem im Juni und Juli auf. Daneben ist aber auch in der zweiten Mai- und der ersten Augusthälfte mit Sporadic-E zu rechnen. Insbesondere in zeitlicher Nähe zum Maximum des Meteoritenschauers Perseiden am 12./13. August herrscht eine hohe Es-Wahrscheinlichkeit. Danach geht diese rapide zurück, wenngleich auch im September schon einmal per Sporadic-E gearbeitet werden konnte.

Auch im Maximum Juni und Juli kann eine auffällige Häufigkeitsverteilung beobachten werden. So war in den letzten 20 Jahren vor allem die Zeit vom 1. bis 10. Juni praktisch eine "Bank". Um den 17. Juni und um den 25. Juni herum traten ebenfalls überproportional häufig Es-Überreichweiten auf. Im Juni hatten sich ausgeprägte Häufigkeitszentren um den 10. und um den 28. Juli herum entwickelt. Selbst im August gibt es zwei auffällige Daten: den 5. August und den 12. August, jeweils +/- zwei Tage. Dies sind langjährig gemittelte Beobachtungen, die deshalb nicht in jedem Jahr exakt eintreffen werden.

Tageszeitliche Häufigkeitsverteilung

Stabiler verläuft hingegen die tageszeitliche Häufigkeitsverteilung. Wenn man einmal davon absieht, dass Sporadic-E grundsätzlich immer auftreten kann, also auch im Mitternacht oder zu Sonnenaufgang, gibt es zwei besonders auffällige Zeiträume:

09:00 - 13:00 UTC
15:00 - 19:00 UTC

Wie bemerkt man eine Öffnung?

Lässt man die notwendige Portion Glück einmal außer Betrachtung, dann gilt es, möglichst oft und konsequent das 2m-Band zu beobachten. Dazu gehört insbesondere das Monitoren der SSB-Anruffrequenz 144,300 MHz - auf der dann hoffentlich keine Lokal-Stationen CQ rufen und QSOs fahren - sowie das Beobachten der DX-Cluster. Hier tauchen meist schon lange, bevor das Band am eigenen Standort aufgeht, entsprechende Meldungen über DX-Verbindungen auf. Oft lässt sich hier sogar das Wandern des Skips genau nachvollziehen. Liegen die Standorte der eingebenden Stationen immer dichter am eigenen QTH, so steigt die Wahrscheinlichkeit immer stärker an, dass bald auch am eigenen QTH das DX auftaucht.

Richtiggehend frustrierend kann es aber sein, wenn 50km entfernt bereits DX gearbeitet wird, von den Gegenstationen aber nicht die leiseste Andeutung zu vernehmen ist. Die Reflexion kann bei Sporadic-E sogar so scharf verlaufen, dass 3 km Unterschied es ausmachen, ob man die Gegenstation hört oder nicht. Hier hilft nur geduldiges Abwarten: Irgendwann ist der Skip auch fürs eigene QTH günstig, und dann ist bespielsweise eine CT-Station plötzlich mit 59+ da.

Als Faustregel gilt, dass sich alle DX-Stationen in einem engen Bereich von +/- 25 kHz um die Anruffrequenz 144,300 MHz konzentrieren. Gleichwohl ist es erfolgreich, das ganze SSB-Subband und gerade bei Öffnungen Richtung Osten auch das CW-Band zu monitoren. Abseits des Getümmels kommt man so gut wie immer leichter und schneller zum Zug, wenn dort eine Station CQ ruft.

Folgende Beobachtungen geben Hinweise auf Sporadic-E auf 144 MHz

QSO-Ablauf

Beim QSO selbst werden dann nur Rapporte und Locator ausgetauscht. Auf diese Weise schaffen es erfahrene DX-Stationen in einer 30-Minuten-Öffnung locker 80 QSOs durchzuführen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Viele Stationen in Mitteleuropa können sich über die weite Verbindung freuen, und vor allem kommen auch QRP-Stationen zum Zuge. Wenngleich aufgrund der geringen Streckendämpfung auch Klasse 3 Stationen problemlos DX-Verbindungen mit beiderseits 59-Rapporten machen können und dies in den letzten Jahren auch schon mehrfach gelungen ist, stellen die aufkommenden Pile-Ups in der Praxis das größte Problem dar, an die DX-Stationen heranzukommen. Bei einer abendlichen Öffnung muss man davon ausgehen, dass praktisch Hunderte von Stationen gleichzeitig anrufen. Zum Zuge kommen dann diejenigen, die in eine sprechpause der anderen hineinrufen, am günstigsten zum Skip liegen und- die größte Sendeleistung benutzen. Was nicht bedeutet, dass Stationen mit EME-Ausrüstung stets am schnellsten von der DX-Stationen gehört werden: Wer günstiger zum Skip sitzt, kann sich durchaus auch mit 10 Watt EIRP gegen 100.00 Watt EIRP durchsetzen.

Bei Sporadic-E-Öffnungen sollte man sich allerdings folgende Regeln beherzigen

Interessante Links zum Thema

Quellen

Viel Glück beim Sporadic-E-DXen!





Last Update: 01.08.2002 by Christian Schwier, DO1YCS